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Serie: Homöopathie in Notfällen

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5. Teil: Fieber bei Kindern

Im letzten Teil dieser Serie soll es um den Vergleich dreier Mittel gehen, die leider allzu häufig in einem Topf geworfen werden: Aconitum, Belladonna und Ferrum phosphoricum. Alle drei sind als so genannte „Kindermittel“ bekannt, Ferrum phosphoricum ist vielen als Schüsslersalz ein Begriff.

Tatsächlich sind es Kinder, die häufiger als Erwachsene an jenen heftigen akuten Krankheiten erkranken, die diese Mittel als Heilmittel erfordern. Es handelt sich dabei meist um hoch-fieberhafte Zustände. Dies hat dazu geführt, dass es zum einen die Empfehlung gibt, bei diesen Fiebern grundsätzlich Ferrum phosphoricum zu geben, zum anderen die Empfehlung alle drei Mittel gleichzeitig einzusetzen. Beides kann nicht dem klassischen homöopathischen Grundsatz entsprechen, denn ein jedes Mittel hat seine Eigenheiten, die mit den besonderen Symptomen der Krankheit in Einklang stehen müssen, damit es helfen kann.

Diese Eigenheiten zu erkennen, ist im Prinzip nicht schwierig, nur haben wir heute oft verlernt, auf diese Dinge Acht zu geben, denn sie spielen in der schulmedizinischen Behandlung keine Rolle: Ob ein Mensch mit Fieber Durst hat oder nicht, ob er friert oder ob ihm warm ist, ob er aggressiv oder ängstlich ist, all das ist für die Auswahl des passenden homöopathischen Mittels ausschlaggebend, wobei es in der schulmedizinischen Behandlung immer ein Medikament gegen das Hauptsymptom Fieber gibt. Auch der auslösende Faktor für eine Erkrankung kann helfen, das passende homöopathische Mittel zu finden.

Aconitum ist das heftigste der drei Mittel. Auslösender Faktor ist meist eiskalter, trockener Wind, weshalb das Mittel eher im Winter und oft in den Bergen vorkommt. Kurze Zeit nachdem ein Mensch – z.B. wenn er verschwitzt ist – einer solchen Witterung ausgesetzt war, beginnt das Fieber. Es steigt rasch an und wird schnell sehr hoch (40 °C und höher). Das Kind fröstelt stark, die Haut ist trocken und äußerst heiß und häufig ist ein stechender Kopfschmerz vorhanden, als ob der Schädel auseinanderbersten würde. Es besteht große Unruhe, das Kind wirft sich im Bett unter Qualen und Stöhnen umher und macht einen angsterfüllten Eindruck. Wenn es aufstehen möchte, um seinen großen Durst auf kaltes Wasser zu stillen, kann es kreideweiß werden und kollabieren. Sollte bereits Schweiß eingesetzt haben, ist die Aconitzeit vorbei. Das Mittel kann dann nicht mehr gewinnbringend eingesetzt werden.

Anders verhält es sich bei Belladonna. Dieses Mittel erzeugt ein ebenso hohes und heftiges Fieber, aber hier ist die Haut nicht nur glühend heiß, sondern auch feucht. Wichtig bei Belladonna ist immer die Gehirnbeteiligung, die man an den großen, glänzenden Pupillen, an der Neigung zu Fieberdelirien und Phantasien, sowie am rasenden Kopfschmerz mit pulsierenden Halsschlagadern und hochrotem Kopf erkennt. Auch besteht eine Neigung zu Fieberkrämpfen, die dieses Mittel ebenfalls heilen kann. Trotz der Höhe des Fiebers hat der Kranke wenig oder gar keinen Durst, zumindest hat er eine Abneigung gegen Wasser, denn das Schlucken bereitet dem Kranken häufig in irgendeiner Form Probleme. Angst hat das Kind, welches Belladonna braucht keine, meist geht es auch nicht ins Bett, sondern spielt weiter, als sei nichts. Dies, und der fehlende Durst, unterscheiden das Mittel bereits deutlich von Aconitum. Auch der auslösende Faktor ist bei Belladonna verschieden: Hier ist es der Kopf, der nach dem Waschen zu schnell der Kälte ausgesetzt war, aber auch übermäßige Sonneneinstrahlung kann zu einem Belladonna-Fieber führen, was bei Aconitum nicht der Fall ist. Hände und Füße sind bei Belladonna trotz der Hitze des Körpers kalt.

Und nun zu Ferrum phosphoricum, einem Mittel das oft falsch eingesetzt wird. Dieser Umstand kommt daher, dass Dr. Schüssler der Meinung war, dass dieses Mittel Aconitum und Belladonna in jeder Art der schnellen und hohen Fieber ersetzen könnte. Wie wir gesehen haben, gibt es zwischen diesen Fiebern aber Unterschiede und je nachdem, wie der zu behandelnde Fall sich äußert, kommt eben das eine oder das andere Mittel zum Einsatz.

Das ist der Grundgedanke in der Homöopathie: Ähnliches mit ähnlichem zu heilen. Und so wurde Ferrum phosphoricum von den Homöopathen in den Arzneimittelschatz aufgenommen, geprüft und am Krankenbett eingesetzt, so dass dieses Mittel heute seinen festen Platz hat. Es muss also nicht mehr wahllos eingesetzt werden, sondern individuell, wie alle anderen Mittel auch. Dabei hat sich gezeigt, dass dieses Mittel bei Erkältungen lang nicht so häufig benötigt wird, wie Aconitum oder Belladonna.

Das Fieber bei Ferrum phosphoricum beginnt auch sehr plötzlich, aber nicht ganz so stürmisch, wie bei den oben besprochenen Mitteln und es steigt auch nicht ganz so schnell und so hoch an. Es beginnt mit Frösteln, dem großer Durst vorausgeht. Dann steigt das Fieber an und der Durst nimmt beträchtlich ab. Während der Fieberhitze, die ohne Schweiß und Frösteln auftritt, hat der Kranke keinen Durst. Der Mensch, der Ferrum phosphoricum braucht, fühlt sich sehr krank und ist müde, aber trotzdem möchte er immer etwas tun, sich behilflich machen, da ihm sanfte Bewegung gut tut. Das Gesicht ist zwar insgesamt bleich, aber es zeigen sich umschriebene, rote Flecken darauf. Trotz der Röte ist der Kopf nicht warm. Er fühlt sich aber voll und heiß an. Frische Luft behagt ihm nicht, da die Kälte seine Beschwerden verschlimmert, allerdings werden die Kopfschmerzen, die häufig mit vorhanden sind, durch kalte Kompressen gelindert. Fast immer sind auch Schnupfen und Bronchitis vorhanden, wobei die Absonderung aus der Nase blutig ist. Es kann auch richtiges Nasenbluten vorkommen. Das Wichtigste ist aber das oben beschriebene Verhalten des Kranken, der trotz starkem Krankheitsgefühl und Schwäche sich behilflich machen möchte. Insgesamt herrscht bei diesem Mittel im Gegensatz zu Aconitum und Belladonna eine gewisse Symptomenarmut vor. Die Krankheit entwickelt sich zwar, aber charakteristische Symptome fehlen. Genau dies sollte uns dann an Ferrum phosphoricum denken lassen.

Natürlich können die beschriebenen Mittel auch beim Erwachsenen zum Einsatz kommen, wenn sich das beschriebene Krankheitsbild zeigt, häufig sind es jedoch Kinder, die diese Mittel bei Fiebern und Erkältungen benötigen. Alle drei Mittel werden bei heftigen Erkrankungen ebenfalls in der Potenz C200 gegeben. Auch Ferrum phosphoricum wirkt bei Fieber, wenn es passt, schneller und zufrieden stellender, als in einer Tiefpotenz.

Zusammenstellung der besprochenen Mittel:

  • Aconitum
  • Belladonna
  • Ferrum phosphoricum

Wenn Sie Fragen zu diesem Artikel haben, dann wenden Sie sich bitte an die Redaktion. Wir stellen gerne einen Kontakt zu dem Autor dieser Serie, Adrian Wenzel, her.

Weitere Artikel zu dieser Serie:

Teil 1: Einführung
Teil 2: Verletzungen
Teil 3: Herzinfarkt und Schlaganfall
Teil 4: Atemnot