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Der Blumentopf im Treppenhaus

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"Je kränker desto oben"

Rheinstetten/Stuttgart. Ganz wichtig ist es für den baden-württembergischen Landesbranddirektor Hermann Schröder, dass der (möglicherweise einzige) Rettungsweg aus Wohnungen beziehungsweise aus Häusern nach Draußen immer begehbar ist. Was so banal klingt, hat manchmal einen tragischen Hintergrund.

"Der Ausgang ins Freie ermöglicht im Ernstfall die sichere Flucht, wenn er ungehindert begehbar ist. Vollgestellte Treppenräume oder Flure können bei einem Brand schnell zur tödlichen Falle werden. So schön große Blumentöpfe im Treppenraum sein können, wenn sie den Durchgang behindern, sollte man darauf verzichten", so Schröder in einer Pressemitteilung des Innenministeriums vom 04.11.2011.

Auch ein aus Bequemlichkeit im Flur abgestellter Kinderwagen oder Fahrrad sei im Keller oder in einem Abstellraum besser aufgehoben. Und selbst kurzzeitig abgestellte Müllsäcke könnten zum lebensbedrohlichen Hindernis werden, wenn bei einem Brand Eile geboten sei.

Doch nicht nur die Brandschützer können von zugestellten Fluchtwegen ein Lied singen. Viel häufiger und damit alltäglicher ist das Spießrutenlaufen in deutschen Treppenhäusern für die medizinischen Rettungsdienste. Es scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, das Insider mit der Faustregel "Je kränker desto oben" flapsig beschreiben: Meist jedenfalls befinden sich die Schlafzimmer älterer Menschen in den oberen Strockwerken von Einfamilienhäusern. Das erscheint auf den ersten Blick bzw. so lange die Kinder noch im Haus wohnen durchaus sinnvoll. Spätestens dann aber, wenn ein Partner zum Pflegefall wird oder für längere Zeit ans Bett gefesselt ist, wird der ursprüngliche Vorteil eines erhöhten Schlafplatzes fraglich.

Denn mit dem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, eines Tages auf medizinische Hilfe angewiesen zu sein. Mag der Hausarzt noch die sportliche Herausforderung badischer "Stiegen" problemlos bewältigen: Die Männer (und Frauen) vom Krankenwagen fluchen in der Regel schon innerlich, wenn sie das Haus des Kranken betreten und mit ersten Schweißperlen auf der Stirn noch oben blicken. Hat dann noch der Architekt am Treppenraum gespart - was beim Häusle am Rande der Stadt nicht unüblich war und ist - kommen ernste Sorgenfalten dazu. Die einzige Möglichkeit ist hier oft nur noch das so genannte "Bergetuch", eine Art "Sack mit Griffen" in die der Kranke dann verpackt und mit viel Spucke durch den Treppenschlauch nach unten zur dort wartenden Trage gebracht werden muss. Blumentöpfe und Bilder an den Wänden, die unterwegs vorbei kommen, werden in diesen Situaltionen schnell zu vergänglichen Schönheiten.

Deshalb unser Tipp: Spätestens dann, wenn ein Pflegebett bestellt wird, sollte man sich Gedanken machen, wo dieses aufzustellen ist. Ein Platz im Erdgeschoss erlaubt nicht nur die weitere Teilnehme des Kranken am Familienleben. Es erspart auch Stress im Fall der Fälle.