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Keuchhusten wieder auf dem Vormarsch

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Gesundheitsamt empfiehlt Impung von Säuglingen

Region Karlsruhe. Die Kinderärzte der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe beobachten in ihrem jüngsten Alltag vermehrt schwere Keuchhustenerkrankungen bei Neugeborenen und jungen ungeimpften Säuglingen.

Charakteristisch hierfür seien lang anhaltende und krampfartige Hustenanfälle, erläutert Joachim Kühr, Direktor der Kinder- und Jugendmedizin, das Leitsymptom einer Keuchhustenerkrankung auch Pertussis genannt.

"Die Betroffenen werden von einem heftigen, stoßweisen Husten gequält und scheinen dabei fast zu ersticken", so Kühr weiter. Besonders gefährdet seien Neugeborene und Säuglinge, bei denen es mitunter zu tödlich verlaufenden Atemstillständen kommen könne. "Die Erkrankung kann ferner mit schweren Komplikationen wie Lungen- oder Mittelohrentzündung oder auch Gehirnschädigungen einhergehen. Häufig ist bei den erkrankten Neugeborenen und Säuglingen eine inten-sivmedizinische Behandlung erforderlich", erläutert der Klinikdirektor mögliche Krankheitsverläufe.

"Bei der Suche nach den Krankheitsursachen werden wir oftmals im häuslichen Umfeld, bei den nächsten Angehörigen fündig", berichtet Paul Vöhringer, leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin. "Denn auch Erwachsene können an Keuchhusten erkranken, sogar weitaus häufiger als bis dato angenommen."

"Der Keuchhusten ist für Jung und Alt mit fehlendem oder ungenügendem Impfschutz eine sehr ansteckende Infektionskrankheit", erklärt Eberhard Kniehl, Leiter der Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Klinikum. Verursacht würde die Infektion durch ein Bakterium namens Bordetella pertussis. "Die Bakterien werden per Tröpfcheninfektion übertragen. Hustet, niest oder spricht ein Erkrankter, so können diese Tröpfchen bis zu einem Meter weit fliegen", gibt der Mikrobiologe zu bedenken. Seinen Angaben zufolge betrage die Inkubationszeit bis zu 20 Tage. Da sei es mitunter nicht mehr ganz so leicht nachzuvollziehen, wo oder bei wem sich ein Baby angesteckt habe. In den meisten Fällen seien es aber die engsten Kontaktpersonen, weiß Kniehl aus der klinischen Praxis zu berichten.

Um eine Ansteckung bei den Babys zu vermeiden, empfehlen Mediziner vor allem Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern mit Säuglingen im direkten häuslichen Umfeld eine Impfung beziehungsweise Auffrischung des Keuchhustenschutzes. "Das ist deshalb besonders wichtig, weil gerade Neugeborene primär keinen von der Mutter übertragenen Nestschutz gegen Keuchhusten besitzen und nicht vor dem dritten Lebensmonat geimpft werden können", betont der niedergelassene Kinderarzt Christian Stock. Daher appellieren seine Kollegen und er bereits zum Zeitpunkt der Geburt für einen ausreichenden Impfschutz gegen Keuchhusten und verweisen in dem Zusammenhang auf die Impfberatung bei Kinder- und Hausärzten.

Ulrich Wagner, der Leiter der Abteilung Gesundheitsschutz im Gesundheitsamt Karlsruhe, erwähnt in diesem Zusammenhang die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts. Den Angaben von Wagner zufolge sei es Ziel der STIKO, eine so genannte Herdimmunität anzustreben. Sprich: Je höher die Impfquote und damit die Immunität in der gesamten Bevölkerung, desto geringer die Gefahr, dass Infektionskrankheiten sich über Ungeimpfte ausbreiten können.

Eine Grundimmunisierung der Säuglinge solle im Rahmen einer Sechsfach-Impfung ab dem vollendeten 2. Lebensmonat in vier Impfdurchgängen, die spätestens mit dem 14. Lebensmonat abgeschlossen sein sollten, erfolgen. Diese Impfung beinhaltet neben dem wichtigen Keuchhustenschutz auch den für Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ B und Hepatitis B bzw. D. Um den nachlassenden Impfschutz aufrecht zu erhalten, sind laut Wagner Auffrischimpfungen im Alter von 5-6 Jahren und dann im Alter von 9-17 Jahren wichtig. Allen Erwachsenen empfiehlt er, sich gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlung bei der nächsten notwendigen Tetanus/Diphtherie-Impfung zusätzlich gegen Pertussis impfen zu lassen.

Quellen: Städt. Klinikum Karlsruhe, Gesundheitsamt Karlsruhe, Kinderarztpraxis Storck